Wohlauf

Nächster Termin:

Schellemendig

28.02.2022 05:30

Wo?

Innenstadt Wolfach

Nichts hat Wolfach in der Narrenwelt so bekannt, so berühmt gemacht wie der Umzug der Hemdglunker mit dem „Sang aller Sänge“ um 1850 im Morgengrauen des Schellenmentigs. Der Schellenmentig ist der höchste Wolfacher Feiertag. Schon um 5.30 Uhr treffen sich Hunderte weiß gekleidete Umzugsteilnehmer vor dem Schlosstor. Sie tragen lange weiße Nachthemden und weiße Zipfelkappen oder Nachthauben. Ihren Weg beleuchten sie mit Stalllaternen. Punkt 5.30 Uhr verlöscht in der ganzen Stadt das Licht und am Schlosstor hebt ein unglaublicher Radau an. Aus Hörnern, Pfeifen, Posaunen, von Blechdeckeln, Stahlflaschen und Glocken und allem, was irgendwie Krach macht. Mit dabei ist ein handgezogener Karren, auf dem stalllaternenbeleuchtet ein Bett steht. In ihm ruht der Wohlaufsänger. An jenen Stellen, wo früher der Nachtwächter sein Lied sang, hält der Zug an. Der Wohlaufsänger erhebt sich und aller Lärm und jedes Wort verstummt. Der Wohlaufsänger nutzt die Stille im Lärm und singt „den Wohlauf“:

Wohlauf! Wohlauf!
Ihr Narren hört, vernehmt und wißt:
Der Narrotag erstanden ist.
Der Tag fängt an zu leuchten –
Dem Narro wie dem G’scheiten.
Der Narrotag, der nie versag’.
Wünsch alle Narro E guete Tag!

Noch ehe der letzte Ton verklungen ist, bricht der Lärm erneut los und der Zug geht weiter bis zur nächsten Station.

Den Text des Wohlauf, wie wir ihn heute kennen, gibt es erst seit 1965. Es kam zum Streit um den tradierten Begriff des „Entechrist“, welcher bis dahin in dem Text vorkam. Obwohl nie ein Wolfacher Narr daran dachte, damit faustisch-blasphemisch den Teufel anzurufen, Gotteslästerung zu betreiben, wurde dieses Wort zum Stein des Anstoßes. Der Kleine Narrenrat war zunächst stur und ließ verkünden: „Am Wohlauftext wird nichts geändert“! Doch nach langem, heftigem Diskurs einigten sich die Lager. Auf den unverfänglichen, von Josef Krausbeck verfassten neuen, nicht mehr „anstößigen“ Text: „Ihr Narren, hört vernehmt und wisst! …“. Da ohnehin niemand zuvor einen „bösen Hintersinn“ in der alten Version realisiert hatte, war diese Änderung sinnvoll und durchaus angebracht.